BIM spielt eine konkrete und praktische Rolle bei der Planung von Anlagenstilllegungen: Es ermöglicht Projektteams, eine vollständige digitale Kopie einer bestehenden Anlage zu erstellen und so Abläufe, Sicherheit, Logistik und Materialflüsse im Voraus zu simulieren und zu koordinieren. Gerade bei komplexen industriellen Stilllegungsprojekten, bei denen mehrere Fachbereiche parallel arbeiten und hohe Risiken bestehen, ist ein gemeinsames BIM-Modell entscheidend für eine kontrollierte Durchführung und gegen kostspielige Störungen. In diesem Artikel beantworten wir die häufigsten Fragen zu BIM bei der Anlagenstilllegung.
Wie verbessert BIM die Sicherheitsplanung bei der Stilllegung?
BIM verbessert die Sicherheitsplanung bei der Stilllegung von Anlagen, indem es die digitale Identifizierung und Visualisierung von Risikosituationen ermöglicht, noch bevor die ersten Arbeiten vor Ort stattfinden. In einem 3D-Modell lassen sich sofort die Standorte von Gefahrenanlagen, asbesthaltigen Materialien oder instabilen Strukturen erkennen, sodass Sicherheitsmaßnahmen gezielt geplant werden können.
BIM ermöglicht es insbesondere, Demontageabläufe zu simulieren und auf ihre Sicherheit zu prüfen. So lässt sich beispielsweise feststellen, ob die Entfernung einer tragenden Konstruktion in Phase zwei die Stabilität angrenzender Anlagen in Phase drei beeinträchtigt. Solche Erkenntnisse sind mit herkömmlichen 2D-Zeichnungen kaum zu gewinnen.
Darüber hinaus unterstützt BIM die Kommunikation zwischen Sicherheitskoordinator, Bauleiter und Auftraggeber. Alle arbeiten mit demselben Modell, wodurch Missverständnisse bezüglich der Situation auf der Baustelle reduziert werden. Bei Projekten, in denen die Produktion in angrenzenden Bereichen während der Demontage weiterläuft, ist diese gemeinsame Übersicht besonders hilfreich für die Überwachung von Sicherheitsabständen und Arbeitsabläufen.
Welche Vorteile bietet BIM gegenüber herkömmlichen 2D-Zeichnungen beim Abriss?
BIM bietet bei Abbruch- und Demontagearbeiten deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen 2D-Zeichnungen, da ein dreidimensionales Modell die tatsächliche Situation einer Fabrik wesentlich genauer abbildet. Räumliche Konflikte, Zugangswege und die Wechselwirkungen zwischen Anlagen lassen sich in 2D nur schwer adäquat beurteilen.
Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:
- Räumliches Verständnis: Man erkennt sofort, wie Installationen, Rohrleitungen und Strukturen zueinander in Beziehung stehen, was die Planung der Demontageabfolge erleichtert.
- Konflikterkennung: BIM-Software erkennt automatisch Konflikte zwischen zu entfernenden Objekten und der bestehenden Infrastruktur, sodass Sie Engpässe vor Beginn der Ausführung beheben können.
- Bessere Kommunikation: Alle Beteiligten, vom Statiker bis zum Umweltspezialisten, arbeiten auf der Grundlage der gleichen, aktuellen Informationen.
- Dokumentation: Das Modell dient als lebendige Projektdatei, die Sie bei der Auslieferung übergeben können.
- Zeitersparnis: Weniger Korrekturrunden und weniger Überraschungen am Arbeitsplatz bedeuten kürzere Vorlaufzeiten.
Bei industriellen Rückbauprojekten ist der Unterschied am größten bei komplexen Anlagen mit mehreren Ebenen, sich kreuzenden Rohrleitungssystemen und dem Vorhandensein gefährlicher Stoffe. Genau hier stößt eine 2D-Zeichnung an ihre Grenzen.
Wie wird ein BIM-Modell für eine bestehende Fabrik erstellt?
Ein BIM-Modell einer bestehenden Fabrik wird mithilfe einer Kombination aus Punktwolkenerfassung, vorhandenen Zeichnungen und Feldprüfung erstellt. Die gängigste Methode ist das 3D-Laserscanning: Scanner vermessen den gesamten Raum und erzeugen eine detaillierte Punktwolke, die anschließend in ein parametrisches BIM-Modell umgewandelt wird.
Der Prozess verläuft typischerweise in folgenden Schritten:
- Bestandsaufnahme der verfügbaren Dokumente: Vorhandene Bestandspläne, Installationspläne und Revisionspläne werden als Ausgangspunkt erfasst.
- 3D-Laserscan vor Ort: Die Fabrik wird gescannt, um den Ist-Zustand zu erfassen, einschließlich der Änderungen, die nach der ursprünglichen Errichtung vorgenommen wurden.
- Modellierung: Die Punktwolke wird in einer BIM-Software wie Revit oder Navisworks verarbeitet, wo Strukturen, Installationen und Rohrleitungen modelliert werden.
- Attributverknüpfung: Relevante Daten werden mit Objekten im Modell verknüpft, wie z. B. Materialart, Vorhandensein von Asbest, Gewicht oder Wiederverwendungsstatus.
- Vor-Ort-Überprüfung: Das Modell wird anhand der tatsächlichen Situation getestet, um Abweichungen zu korrigieren.
Die Genauigkeit dieses Prozesses bestimmt die Zuverlässigkeit aller nachfolgenden Planungsentscheidungen. Ein unvollständiges oder veraltetes Modell führt zu falschen Annahmen hinsichtlich der Demontageabfolge oder des Vorhandenseins gefährlicher Stoffe.
Welche BIM-Anwendungen eignen sich besonders für die stufenweise Stilllegung?
Für die phasenweise Demontage sind 4D-Planung, Konfliktanalyse und Zonenmanagement die nützlichsten BIM-Anwendungen. Mit 4D-BIM verknüpfen Sie das räumliche Modell mit einer Zeitleiste und machen so für jede Phase sichtbar, welche Komponenten wann entfernt werden und wie sich dies auf den Rest der Anlage auswirkt.
Die schrittweise Stilllegung stellt besondere Anforderungen an die Planung, da es sich um eine Anlage handelt, die teils noch in Betrieb, teils bereits abgerissen ist. BIM unterstützt Sie dabei auf folgende Weise:
- 4D-Simulation: Sie visualisieren die Demontagesequenz Phase für Phase und prüfen, ob die Reihenfolge technisch und sicherheitstechnisch durchführbar ist.
- Zoneneinteilung: Im Modell sind aktive und inaktive Zonen gekennzeichnet, damit die Auftragnehmer immer wissen, wo sie sich befinden und wo sie nicht arbeiten dürfen.
- Abhängigkeitsmanagement: Das Modell zeigt, welche Komponenten erst entfernt werden dürfen, nachdem andere Elemente repariert oder abgerissen wurden.
- Logistikplanung: Die Zu- und Abfuhrwege für Ausrüstung und Abfall werden geplant und mit dem verfügbaren Platz pro Phase abgeglichen.
Bei Projekten, bei denen die Produktion in angrenzenden Gebäudeteilen während des Abbaus weiterläuft, ist 4D-BIM besonders nützlich, um Störungen des Geschäftsablaufs zu minimieren.
Wann ist BIM bei industriellen Abbruchprojekten obligatorisch oder dringend empfehlenswert?
In den Niederlanden ist BIM für Industrieabbruchprojekte grundsätzlich nicht gesetzlich vorgeschrieben, doch Auftraggeber im öffentlichen Sektor fordern es zunehmend vertraglich. Bei großen Infrastruktur- und Industrieprojekten für zentrale Regierungsbehörden und große Versorgungsunternehmen ist die Anwendung von BIM mittlerweile Standard. Privaten Industriekunden wird BIM dringend empfohlen, sobald ein Projekt eine gewisse Komplexität überschreitet.
BIM wird in folgenden Situationen dringend empfohlen:
- Projekte, bei denen mehrere Auftragnehmer oder Subunternehmer gleichzeitig arbeiten.
- Demontage von Anlagen, bei denen die Produktion in angrenzenden Bereichen fortgesetzt wird.
- Vorhandensein von Asbest, Gefahrstoffen oder komplexer Installationstechnik.
- Stufenweise Umsetzung über einen längeren Zeitraum.
- Projekte mit strengen Berichtspflichten in Bezug auf Umwelt und Sicherheit.
- Demontage großer oder historisch komplexer Fabrikgebäude ohne aktuelle Bestandsdokumentation.
In der Praxis beobachten wir, dass Industriekunden in der (Petro-)Chemie-, Energie- und Prozessindustrie BIM zunehmend in ihre Ausschreibungsunterlagen einbeziehen, selbst wenn dies rechtlich nicht vorgeschrieben ist. Der Grund ist einfach: Es reduziert Projektrisiken und erleichtert die Übergabe der Projektdokumentation nach Fertigstellung.
Wie unterstützt BIM den Kreislauf des Materialflusses bei der Demontage von Fabriken?
BIM unterstützt den Materialkreislauf bei der Demontage von Fabriken, indem es ermöglicht, für jedes Objekt im Modell zu erfassen, welches Material beteiligt ist, welchen Wiederverwendungsstatus es hat und wohin es nach der Demontage entsorgt wird. Dadurch lässt sich bereits vor der Umsetzung eine Materialstrategie entwickeln und die Wiederverwendung aktiv steuern.
In einem BIM-Modell lassen sich Attribute wie Materialart, Gewicht, Zustand und Wiederverwendungspotenzial mit jedem Bauteil verknüpfen. Auf Basis dieser Daten erstellen Sie einen Materialpass, der angibt, welche Bauteile für den direkten Wiederverkauf geeignet sind, welche Materialien als Rohstoffe angeboten werden können und welche Reststoffströme an zertifizierte Verarbeiter gehen.
Dies entspricht dem Ziel, beim Rückbau so wenig Material wie möglich zu zerstören. Eine Wiederverwendungsquote von 99 % ist nur erreichbar, wenn die Materialflüsse im Vorfeld detailliert geplant und die Ausführung entsprechend strukturiert wird. BIM liefert hierfür die notwendige Informationsgrundlage.
Praktische Anwendungen von BIM für Kreislaufwirtschaft:
- Automatische Erstellung von Materiallisten pro Bauphase oder pro Gebäudeteil.
- Integration mit der Logistikplanung für die Trennung und Entsorgung von Materialströmen.
- Dokumentation von Herkunft und Bestimmungsort von Materialien für die Umweltberichterstattung.
- Unterstützung bei der Erstellung des Abbruchabfallmanagementplans.
Wie Bottelier bei der BIM-gestützten Stilllegung von Fabriken hilft
Wir verbinden jahrzehntelange Erfahrung im industriellen Rückbau mit einem strukturierten Ansatz, bei dem digitale Planungswerkzeuge wie BIM eine zentrale Rolle in komplexen Projekten spielen. Dies bietet unseren Kunden konkrete Vorteile:
- Ein kompletter, schlüsselfertiger Prozess von der Beratung und den Genehmigungsanträgen bis zur dokumentierten Lieferung.
- Sicherheitsplanung und Risikoanalyse, zugeschnitten auf die spezifische Situation Ihrer Anlage.
- Kreislaufwirtschaftliche Materialverarbeitung mit einer Wiederverwendungsquote von 99%.
- Möglichkeit zur Arbeit in Produktionsanlagen, ohne den Geschäftsablauf zu stören.
- Umfassende Zertifizierung, darunter ISO 14001, NEN-EN-ISO 9001, SC 530 und VCA Petrochemicals.
Haben Sie ein Stilllegungsprojekt und möchten wissen, wie BIM die Planung und Ausführung verbessern kann? Kontaktieren Sie uns , und wir besprechen die Möglichkeiten für Ihre individuelle Situation.

